VRF

Vorstellung des neuen Vorausfahrzeuges der Freiwilligen Feuerwehr Baden-Stadt.
Im Oktober 2012 war es endlich soweit, das neue Vorausfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Baden-Stadt konnte in Dienst gestellt werden. Bis dahin war es jedoch ein sehr langer harter Weg. Bereits im Jahr 2006 befasste sich eine eigens eingesetzte Fahrzeugprojektgruppe mit der Planung des neuen Fahrzeuges.

Die Mitglieder der FF Baden Stadt HBI Mag. Gerald Peter, OBI Rainer Hohl, EOBI Stefan Schneider, OBM Robert Lichtenauer, die Fahrmeisterei (OBM Walter Schlager, EHLM Gerhard Glanner, OLM Herbert Seidler und LM Ing. Gernot Prendinger) sowie die Zeugmeisterei (HBM Manfred Misch und LM Markus Prendinger) standen in einer 6-jährigen Planungsphase vor einer großen Aufgabe. Als Projektauftrag galt es nämlich, die mit B-Führerschein lenkbaren alten Fahrzeuge KRFA-S (Rüst 1) auf Puch G Fahrgestell (Baujahr 1982) und TLFA 1000 (Tank 1) auf Mercedes 310 (Baujahr 1990) zu ersetzen und in ein Fahrzeug zusammenzuführen. Dadurch sollte ein Fahrzeug entstehen, welches mit relativ geringer Besatzung rasch vor Ort sein kann und für alle Ersteinsatzszenarien gerüstet ist.

 

Bei größeren Einsätzen sollte es die Möglichkeit bieten, Absicherungsmaterial und Erkundungsmittel (so auch einen AS Trupp) zur Verfügung zu haben, um nachfolgende Kräfte optimal einweisen und Zufahrtsmöglichkeiten (besonders für Hubrettungsgeräte) schon in der Erstphase organisieren zu können. Zudem sollte in der Anfangsphase von Großeinsätzen auch die Möglichkeit gegeben sein, Ausrüstung für die Einsatzleitung zur Verfügung zu haben bzw. sollte das Fahrzeug im weiteren Einsatzverlauf auch als Führungsstand für etwaige Bereichsleiter Verwendung finden können.

 

 

Ein unmögliches Projekt ?

Wie in Feuerwehrkreisen üblich, wurde damit begonnen, verschiedene Fahrzeugmodellvarianten und Ausführungen, die überhaupt auf 3,5to Basis möglich sind, zu vergleichen. Nach umfangreichen Internetrecherchen und Studium von unzähligen Fachmagazinen wurden schließlich zahlreiche Feuerwehren österreichweit besucht, um diverse moderne Voraus- bzw. Rüstfahrzeuge im laufenden Einsatzdienst aus der Nähe zu studieren. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Regelung über die 5,5 to Führerscheinerweiterung für Feuerwehrfahrzeuge.
Die Wunschliste über mögliche Gerätschaften und Fahrzeugausführungen wurde immer länger. Fahrgestellseitig wurden Möglichkeiten von einer allradgängigen Pick-Up Lösung bis hin zur Kastenwagenausführung erwogen.

Parallel zum Verschaffen eines erweiterten Überblicks über den aktuellen Stand der Fahrzeug- und Gerätetechnik, wurde großes Augenmerk auf die Bedarfsplanung und das zukünftige Fuhrparkkonzept im Zusammenhang mit der zu erwartenden Novelle der Mindestausrüstungsverordnung gelegt. Zusätzlich begannen in den Medien und der Öffentlichkeit die ersten Diskussionen und Gespräche über den 5,5 to Führerschein, welche aufgrund der in Planung befindlichen Neuanschaffung aufmerksam verfolgt wurden.

 

 

Nach dieser zeitintensiven Phase wurden erste Gespräche mit den Vertretern verschiedener Feuerwehrfahrzeugaufbaufirmen geführt.
Dabei musste aber schnell erkannt werden, dass unsere Wunschvorstellungen bezüglich Ausführung, vor allem hinsichtlich der Gerätschaften, nur sehr schwer umsetzbar waren. Eines der Hauptprobleme stellte dabei der immense Fortschritt der Technik bei den am heutigen Markt befindlichen Fahrzeugmodellvarianten dar, der vor allem in starken Veränderungen von Eigengewicht und Abmessungen resultierte. Somit war die Umsetzung unserer Vorstellungen und Anpassung an das heutige Einsatzgeschehen durch die Gesamtgewichtbeschränkung von 3,5 to schnell ausgereizt bzw. kaum realisierbar.

Aus heutiger Sicht sind wir aber sehr froh, dass die Umsetzung des Megaprojektes der FF Baden-Stadt „Vorausfahrzeug neu“ bis ins Jahr 2012 gedauert hat.

 

Der im Jahr 2011 neueinführte 5,5to Feuerwehrführerschein für Feuerwehrmitglieder erleichterte nämlich die Umsetzung dieses Fahrzeugprojektes ungemein. Es kam jedoch eine weitere Herausforderung auf die Fahrzeugprojektgruppe zu. Aufgrund der neuen NÖ Feuerwehrausrüstungsverordnung (FAV) und der allgemeinen Einsparungsnotwendigkeit musste, abgestimmt auf die Bedarfsermittlung, ein neues Fahrzeug- und Fuhrparkkonzept erstellt werden. Dies führte zur Notwendigkeit, neben dem bereits zum Austausch geplanten Fahrzeugen auch einen teilweisen Ersatz für das nicht mehr in der FAV enthaltene KRF-S (Rüst 2)  MB 310 (Baujahr 1992) zu entwickeln.

 

Es musste fast wieder von ganz vorne begonnen werden. Wie schon in den Vorjahren, begannen stunden- bzw. auch nächtelange Sitzungen und Recherchen, um das fast unmögliche Projekt umsetzten zu können. Bereits fertige Konzepte mussten überarbeitet oder sogar neu erstellt werden. Besonders wichtig war es uns, nach Durchsicht unserer Einsatzgegebenheiten und deren Häufigkeit, ein Fahrzeug für den Erstschlag jeglicher Art zu schaffen. Dieses kleine wendige Fahrzeug sollte uns vor allem auch im Stadtzentrum (Fußgängerzone), im Altstadtbereich und bei vielen engen, schmalen Zufahrten wertvolle Hilfe leisten.
Bei der durch die Stadtgemeinde Baden durchgeführten Ausschreibung entschied man sich für die Ausführung des neuen Fahrzeuges auf einem allradgängigen Fahrgestell der Marke Mercedes Benz der 5,3 to Klasse. Nur zwei österreichische Feuerwehrfahrzeugaufbauer nahmen diese Herausforderung an.

 

Die Salzburger Firma Josef Seiwald Karosseriebau Ges.m.b.H. aus Oberalm konnte schließlich das Rennen für sich entscheiden. Von der Zuschlagserteilung an war klar, dass dieses Fahrzeug gemeinsam gebaut werden muss. Ende Juni 2012 konnte nach der Anlieferung des Fahrgestelles bei der Firma Seiwald mit dem Aufbau begonnen werden. In der Folge fuhren Mitglieder der Fahrzeugprojektgruppe mehrere Male in das Werk nach Salzburg, um Details abzuklären und einzelne Aufbauschritte zu verfolgen. Dabei konnten in jeder Bauphase die vorhandenen Konzepte und Ideen bzw. auch zusätzlichen Wünsche mit eingebracht und rasch verwirklicht werden. Nach dreimonatiger Bauzeit konnte das Fahrzeug fertig gestellt werden.

Dieses besteht im Wesentlichen aus einem von der Firma Seiwald neu entwickelten und patentierten Aluminium-Paneel Aufbau mit Gerätekästen und integrierter Mannschaftskabine, welcher auf einem 5,3 to Pritschenfahrgestell der Marke Mercedes Benz für eine Besatzung von 4 Personen aufgebaut wurde.

Bei dem Fahrgestell handelt es sich um einen Mercedes Sprinter 519 CDI  FHS 4×4 mit 140kW (190PS), mit Hinterradantrieb, einem Radstand von 3650 mm und einem 6 Gang Schaltgetriebe Eco Gear 360. Der Allradantrieb mit zusätzlicher Untersetzungsmöglichkeit ist elektrisch zuschaltbar.

Der neu entwickelte feuerwehrtechnische Kastenaufbau Type ALPAS II (Aluminium-Paneel-System) der Fa. Seiwald wurde direkt auf den Grundrahmen des Pritschenfahrgestelles verwindungsfrei mit abreißsicheren Metall-Kunststoffelementen aufgesetzt. Durch diese spezielle Aluminium-Paneel-Systembauweise konnten alle Fahrzeugabmessungen und Gewichtsvoraussetzungen auf unsere speziellen Erfordernisse individuell angepasst werden. Das komplett aufgebaute Fahrzeug hat eine Länge von 6,20 m, eine Breite von 2,10 m und einer max. Höhe von 2,75 m bei einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von 5.300 kg.

Das Fahrzeug verfügt über 4 Geräteräume, die mit Aluminium Jalousien verschlossen werden, und über einen in dem Aufbau integrierten Mannschaftsraum mit einer Flügeltür auf der rechten Fahrzeugseite. Zusätzliche Drehfächer in den Geräteräumen ermöglichen einen leichten Zugriff auf die gelagerten Gerätschaften. Die anfängliche Idee, einen Mannschaftraum mit einem nach links komplett offenen Geräteraum zu schaffen, um von zwei Seiten Gerätschaften entnehmen zu können, wurde während der Bauphase wieder verworfen. Durch eine räumliche Abtrennung konnte somit auch ein optimaler Arbeitsplatz für eine kleine Einsatzleitführung im Mannschaftraum umgesetzt und eine Art Kommunikationszentrale für die Verwendung von Funkgeräten und Einsatz Notebook geschaffen werden.

Dieser ist in ca. 2/3 der kompletten Fahrzeugbreite hinter dem Fahrzeugkommandanten (Beifahrersitz) angeordnet. Hier finden zwei von den insgesamt vier Mannschaftsmitgliedern, in Fahrtrichtung sitzend, auf 2 von insgesamt 3 vorhandenen Komfortsitzen mit integrierten Atemschutzgerätehalterungen, bequem Platz. Diese Komfortsitze erfüllen die 10G-Bedienungen und dürfen somit in Fahrtrichtung verbaut werden. Eine davor angeordnete Arbeitsfläche mit zusätzlicher ausziehbarer Arbeitsplatte ermöglicht eine bequeme Einsatzführung. Darunter befinden sich Staufächer bzw. Boxen für Gerätschaften. Auch unter den zwei Komfortsitzen dient ein großes Stau Fach und eine weitere Box der Lagerung von Ausrüstungsgegenständen. Zwei Ablagefächer über Kopfhöhe bieten zusätzlichen Stauraum. Die rechte Wandfläche wurde ebenfalls für Halterungen von Gerätschaften wie z.B. Defibrillator, 2 LED Handscheinwerfer inkl. Ladestation, 2 Stk. Winkerkelle „Feuerwehr“, usw. ausgenutzt. Neben dem linken Sitz im Mannschaftsraum befindet sich links davon eine zweilagige Nische mit indirekter Beleuchtung, wo sämtliche Ladestationen mit Strom versorgt werden. Hier finden sich 4 analoge Handfunkgeräte, 2 BOS Digital Handfunkgeräte, die Wärmebildkamera mit Fern-Übertragungseinheit, der Ersatzakku der Säbelsäge bzw. Akkubohrmaschine, die Einsatzdigitalkamera und ein tragbarer Lautsprecher mit Funkmikrofon sowie die MegaFlare Absicherungsleuchten mit Ladeanschluss.
Ein ebenfalls in diesem Bereich vorhandenes Mehrgasmessgerät Microtector II mit Ladeeinrichtung dient im Rahmen gezielter Messtechnik dazu, erste Entscheidungen (Absperrbereiche etc.) und Maßnahmen (Druckbelüftung, etc.) rechtzeitig treffen zu können.
Weitere  230V Anschlüsse wurden in diesem Bereich vorgesehen, um das Einsatz-Notebook, das Einsatzleiterhandy sowie einen Drucker betreiben bzw. aufladen zu können. Die Stromversorgung wird im Feuerwehrhaus mit einem Pölz Ladesystem und am Einsatzort durch einen verbauten Dynawatt-Stromerzeuger (7,5 kVA) sichergestellt. Eine von uns gewünschte offene Bauweise vom Mannschaftsraum in Richtung Führerkabine zur besseren Kommunikation bzw. Sichtkontakt konnte ebenfalls sehr gut umgesetzt werden. Weiters kommen neben der Arbeitsraumbeleuchtung im Innenraum der Mannschaftskabine zwei zusätzlich verbaute blaue LED Leuchten zum Einsatz, um bei Dunkelheit eine blendfreie Grundbeleuchtung schaffen zu können.
Im Führerhaus ist neben dem Fahrersitz ein weiterer Komfortsitz mit integriertem Atemschutzgerät für den Fahrzeugkommandanten eingebaut. Zwischen diesen beiden Einzelsitzen konnte ein Gerätekasten mit mehreren Auszugsladen zur Lagerung des spritzwassergeschützen Einsatz Notebooks sowie weiterer Führungsmittel und Messgeräte verbaut werden. Oberhalb des Kastens wurden zwei BOS Digitalhandfunkgeräte inkl. Kfz Ladestation so angeordnet, dass die Ein Hand-Bedienung für den Kraftfahrer(Maschinist) bzw. den Fahrzeugkommandanten einzeln und unabhängig möglich ist. Ein LED Handscheinwerfer WOLF  RK50 inkl. Ladestation ist dort ebenfalls zur schnellen Entnahme für den FzgKdten angebracht.

Für den Fahrer ist ein weiterer LED Handscheinwerfer inkl. Ladestation im Bereich der Ausstiegstüre verbaut, welcher auch von außen leicht entnehmbar ist. Die Bedienung der Blaulichtanlage mit zuschaltbaren Frontblitzern, des 4-schalligen Folgeton-Presslufthorns, der Umfeld Beleuchtung und der Verkehrsleiteinrichtung erfolgt mittels Drucktasten auf der Mittelkonsole, wo sich auch die Kontrollleuchten für die Fahrzeugeinrichtungen befinden. Ebenso ist hier auch die Bedienung der Außenlautsprecheranlage möglich. Es wurde bewusst auf eine elektronische Steuerung über ein LCD Bediendisplay verzichtet. Ein 7“Farbmonitor für die Infrarot-Rückfahrkamera im oberen Fahrzeugheck, jeweils ein LED Scheinwerfer auf den beiden Außenspiegeln und 6 Umfeld Beleuchtungseinheiten erleichtern das Manövrieren des Fahrzeuges beim Rückwärtsfahren. All diese Komponenten werden beim Einlegen des Rückwertganges automatisch aktiviert.

 

Zukunftsweisend wurden alle Beleuchtungseinheiten des Fahrzeuges (soweit dies möglich war) mit energiesparenden LED Leuchten ausgestattet. Der pneumatisch ausfahrbare, dreh- und schwenkbare Lichtmast ist ebenfalls in neuester LED Technologie ausgeführt. Hier kommen zwei POWER LED Scheinwerfer mit je 86W und 7200lm Lichtleistung sowie eine rote LED Blitzleuchte für die Kennzeichnung der Einsatzleitung zum Vorschein und werden über eine entnehmbare Kabelfernbedienung vom Geräteraum 2 aus angesteuert. Die Umfeld Beleuchtung wurde mit jeweils 2 Stk. SceneLite 6×2, 5W Power LEDs mit 1050 Lumen Lichtleistung auf der linken und auf der rechten Fahrzeugseite sowie am Fahrzeugheck ausgeführt. Neben den 4 im Dachbereich verbauten LED Blaulichtern dienen die, im Frontgrill eingebauten 4 Stk. blauen LED Hochleistungsstraßenräumer der Marke Hänsch Sputnik nano sowie zwei Impact 3 LED Leuchten im Heckaufbau der besseren Sichtbarkeit des Einsatzfahrzeuges auch bei Tageslicht.

 

Zur besseren Wahrnehmung des Fahrzeuges bei Dunkelheit wurde das von unserer Feuerwehr eigens entworfene Fahrzeugdesign mit hochreflektierender Folie in Weiß, Rot und Gelb umgesetzt.Eine LED Verkehrsleiteinrichtung im oberen Fahrzeugheck soll ebenso die Sicherheit der Einsatzmannschaft verbessern. Sämtliche Geräträume sind mit durchgehenden LED Lichtleisten ausgestattet, um die Einsatztätigkeit zur Nachtzeit zu erleichtern. Die Umfeldbeleuchtung und der Lichtmast werden mit der Fahrzeugspannung von 12V versorgt und können daher jederzeit ohne Aktivierung des Dynawatt Stromerzeugers in Betrieb genommen werden.

Die Bedieneinheiten für den pneumatischen Lichtmast und den 7,5 kVA Dynawatt-Stromerzeuger befinden sich auf der rechten Fahrzeugseite im Geräteraum 2.
Für die Notfallstromversorgung ist eine 12V Fremdstartsteckdose in NATO Ausführung mit 10m langem Kabel ist in der Führerhauskabine vorgesehen.

Der Aufstieg auf das begehbare Fahrzeugdach erfolgt im Heckbereich über eine schräg wegklappbare Aufstiegsleiter. Auf dem Dach befindet sich eine auf 8,4m lange, ausfahrbare dreiteilige Kombi-Mehrzweckleiter und ein bis zu 20.000 Volt isolierter Teleskop Einreißhaken. Die mit Alu-Warzenblech ausgeführte Dachfläche wird mit zwei LED Leuchten großflächig ausgeleuchtet.
In die vordere Stoßstange ist eine 3,6to Elektroseilwinde von Taubenreuter mit 30m langem Kunststoffschwerlastseil für Sicherungsarbeiten integriert.
Am Fahrzeugheck dient eine Rockinger Vario-Kupplung (Kugelkopf/Maul- Wechselsystem) dem Ziehen verschiedener Anhänger.

Im Hinblick auf das Löschkonzept wurden für das neue Vorausfahrzeug vorerst auch verschiedene Varianten in Betracht gezogen. Auch hier verschaffte sich die Fahrzeugprojektgruppe einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik und die bei anderen Feuerwehren im Einsatz stehenden Löschanlagen. Die ersten Gedanken gingen in Richtung einer Hochdruck- oder Poly-Löschanlage. Es war von Beginn an bekannt, dass der Löschmitteltank vermutlich aufgrund der Gesamtgewichtssituation des Fahrzeuges von geringem Fassungsvermögen sein wird. Hier mussten leider gegenüber dem vorhandenen TLFA 1000 (Tank1) sehr große, schmerzhafte Abstriche gemacht werden.

Es wurden verschiedenste Produkte besichtigt, wirklich überzeugen konnte jedoch kein neues modernes System. Im TLFA 1000 wurde in den letzten 22 Jahren ein Normaldrucksystem, aufgebaut auf einer Tragkraftspritze mit geringer Wasserförderungsleistung und einer Schnellangriffseinrichtung eingesetzt. Die Frage: „Ist die neueste Technik immer das Beste für unsere Feuerwehr?“, stellten wir uns natürlich auch. Schließlich wurde entschieden, dass es bei der heutigen Schnelllebigkeit in technischen Standards besser ist, ältere, aber bewährte Lösungen auch in Zukunft zurückzugreifen.
Die Montage einer Einbaupumpe war aufgrund des nicht lieferbaren zweiten Nebenantriebs bei dem Mercedes Benz Fahrgestell der 5,3to Klasse leider nicht möglich. So wurde bschlossen, auf das bewährte System zurückzugreifen und dieses weiter zu verfolgen. Immerhin muss auch damit gerechnet werden, mit dem kleinen zwar Allrad angetriebenen, aber nicht hochgeländegängigen neuen Fahrzeug alle Objekte in unserem Einsatzgebiet erreichen zu können. Hier kommt dann der Möglichkeit des Einsatzes einer kleinen tragbaren Tragkraftspritze auch im unwegsamen Gelände mehr Bedeutung zu. Immerhin liegen auch eine große schwer zugängige Parkanlage,ein nicht unbeträchtliches Waldgebiet und Villengebiete an steilen Straßenzügen in unserem Löschrayon.

Löschkonzept „Voraus neu“ der FF Baden-Stadt:

Dieses Konzept ist vorwiegend für Kleinbrände und als Erstschlagsmittel angedacht
Erstangriff über einen eingebauten 230l Wassertank  mit einer 30m Schnellangriffseinrichtung (Formtex Schlauch) und einem  AWG C-Turbo Twister Modulaufstecksystem. Als Pumpenaggregat dient eine tragbare motorbetriebene Feuerlöschpumpe Type ZL 800 der deutschen Firma Jöhstadt mit einer max. Förderleistung  (Nennleistung 600 l/min bei 8 bar und 3 m Saughöhe, max. Förderstrom 1060 l/min, Schließdruck 12 bar) bei einem betriebsbereiten Einsatzgewicht von 95 kg >>> Die Pumpe ist heckseitig eingebaut und auf einer ausschwenkbaren Norm-Stromaggregatehalterung gelagert. Für den Einsatzbetrieb muss diese nicht entnommen werden. Alle für den Maschinisten notwendigen Pumpen-Bedienelemente sind von einer Seite einsehbar und auf Einbauhöhe bedienbar. Eine C-Einspeisung für den Wassertank sowie ein Wasserabgang mit Absperrorgan zur Entnahme von Wasser befinden sich direkt unterhalb des Geräteraumes  4 im Fahrzeugheck.

Durch das multifunktionale AWG Turbo Twist Wechselsystem mit federgelagertem Bajonettverschluss können verschiedene Düsenaufsätze in kürzester Zeit ausgetauscht werden. Das Absperrorgan Basismodul TT dient als Grundlage, in welchem die Wechselaufsätze eingerastet werden.
Turbo Twist: Griffkupplung
Dieses Rohr ist im Aufbau analog aller in der Feuerwehr Baden-Stadt gewohnten Hohlstrahlrohre bzw. deren Griff und Absperrung ausgeführt. Nur eben hier ist das Umstecken über ein Basismodul möglich.

Turbo Twist: Hohlstrahldüse „T 2130“ (40/80/130 l/min)

Diese ist im Aufbau analog unserer gewohnten Hohlstrahlrohre in der FFBS ausgeführt (Kimme/Korn Griff). Somit ist ein hoher Wiedererkennungswert und eine gewohnte Bedienung für die Einsatzmannschaft gegeben. Auf Grund der geringeren Tank-Wasserreserve  wurde ein Modell mit kleinster Durchflussmenge ab 40 Liter/Min. gewählt.
Turbo Twist: Mittelschaumrohr M 0,4 TT
Hier wird bei 3% Zumischung bei max. 40 Liter/min und VZ 40-50 eine Menge von 1,8m ³ Schaum je Min. oder ein Schaumteppich 5cm hoch auf 36m² je Min. erzeugt. Ein zweiter 2-Liter Ersatz-Schaummittelbehälter ist ebenfalls für den Erstschlag vorhanden.  Es besteht auch die Möglichkeit, mit dem vorhandenen 2- Liter Ersatzbehälter (gefüllt mit Bioversal) eine etwaige Ölspurbehandlung bzw. -beseitigung vornehmen zu können. Dies wird aber erst in der weiteren Einsatzpraxis erprobt.
Turbo Twist: Piercing Nozzle TT

Alternativ kann auch eine Spitze für Hohlräume und Zwischendecken verwendet werden (z.B. Spitzboden, etc.).Bei 115 Liter/min ist ein C-Angriff von einem TLF erforderlich oder die Wasserversorgung von einem Hydranten zum Fahrzeug sicherzustellen. Das Rohr kann jedoch in jedem Fall vom VRF entnommen und hier weiter verwendet werden.
Folgende zusätzliche Löschgeräte stehen ebenfalls zur Verfügung:
•    Ein tragbares 10l HiPress Hochdruck-Löschgerät gefüllt mit einem Wasser-Bioversalgemisch, welches sowohl für die Brandbekämpfung  der Klasse A und B als auch für eine Ölspurbehandlung einsetzbar ist.
•    Ein 6kg ABC Pulverlöscher gefüllt mit Glutbrandpulver
•    Ein 5kg CO2 Kohlendioxidlöscher
Weitere Gerätschaften für die Brandbekämpfung:
1 Schlauchtragekorb (bestückt mit 3 Stk. C 42 Löschschläuche 15m, 1 C 42 Schlauchpaket 20m mit fix angekoppelten AWG C-Hohlstrahlrohr 80/135/240l und einem Absperrorgan), 2  C 42 Löschschläuche 15m, Hitzeschutzhaube und Hitzeschutzhandschuhe, 1 Rauchverschlussvorhang, 1 Löschdecke, 1 B/C Übergangsstück, 2 Oberflurhydrantenschlüssel, davon einer in Ratschen Ausführung,  2 ABC Kupplungsschlüssel, 3er Set Brandfluchthaube in Transportbox
Dem Atemschutztrupp stehen  3 Stk. AUER Atemschutzgeräte 300bar 6l CFK Kompositflaschen mit zusätzlich integrierter Rettungshaube  zur Verfügung. Diese AS-Geräte sind jeweils in einem Komfortsitz der Marke Bostrom Tanker 350i in der Mannschaftskabine (2 Stk.)bzw. 1 Stk im Führerhaus (Beifahrersitz) verbaut. Diese Komfortsitze erfüllen die 10G-Bedienungen und dürfen daher auch in Fahrtrichtung verbaut werden.

 


Es wurde weiters versucht, sämtliche Gerätschaften der jeweiligen verschiedenen Einsatzanforderungen so gut, wie möglich, in den Geräteräumen zusammen zu fassen. Vor allem wurde aber auch die Idee verwirklicht, dieses, bei jedem erdenklichen Szenario im örtlichen Einsatzbereich vorhandene Fahrzeug, unter bestmöglicher Platznutzung, als fahrende Werkzeugkiste auszustatten, womit auch nachfolgende Kräfte die Möglichkeit haben sollen, die erforderlichen Gerätschaften an vorderster Front zur Verfügung zu haben.

Auf dem technischen Sektor stehen der Einsatzmannschaft daher folgende Gerätschaften zur Verfügung:

Im Geräteraum 1:
4 Rangierroller Marke GOJAK 6200 mit Tragkraft: bis 705 kg
1 Schmutzwasserpumpe  Type Grindex  Tuff-Micro 230 Volt
inkl. Boden > Flachwasserabsaugungsmanschette
1 Set Hebekissen bestehend aus
Hebekissen UF 6
Hebekissen VP 10
Hebekissen VP 18
Hebekissen VP 24
Schläuche u. Steuerpult Druckminderer für Hebekissen
Doppelsteuerorgan 8bar Kunststoffgehäuse
Druckminderer 200-300 bar
Atemschutzflasche 300 bar Stahl (für Hebekissen)
2 Moosgummiplatten
1 Kfz Stahl Abschleppseil in Tragebox2 Schäkel 3 to
2 Rundschlingen 3m – 2000 kg
1 Rundschlinge   3m – 4000 kg
1 Bergekette 1teilig 40KN 2m
2 Spanngurt groß  8to
1 Rolle Chemiefaserseil  (Arbeitsleine)
1 Arbeitsleine 30m
2 Kanister Ölbindemittel 20kg
1 mehrteiliges Hygiene Set laut ÖBFV
1 HiPress Löschgerät mit 10l Bioversal-Wassergemisch für die Ölbekämpfung
1 Ersatzbehälter Bioversal

 

Im Geräteraum 2:

2 EURO-Weitwarnblinkleuchten inkl. Induktionsladestation
5 Verkehrsleitkegel faltbar
2 Kabeltrommeln  25m 16A 250V mit Baustellenkabeln
3 LED Flutlichtscheinwerfer Proplast Power-Rock  43 Watt 3.000 Lumen
2 Dreibeinstative ausziehbar nach DIN 14683
1 Fluterbrücke aufsteckbar
2 LUKAS Treppe mit Keil
2 LUKAS Unterlage zu Treppe
1 12teiliges LUKAS Unterbauset (Blöcke u.Keile) LSS
1 LUKAS Airshore Abstützsystem Quickstrut  (mit 2 Stützen 1220-2000m max. Hubkraft 1.000kg)
1 ALU Kiste für Menschenrettung KFZ mit
Gurtaufschneidmesser
Brecheisen kurz
1 Weber Glasmanagement
1 HILTI Akku Säbelsäge samt Zubehör
1 Airbag Sicherung Type Octopus
1 Auffangplane PVC  Gewebeverstärkt  4x4m mit Ösen
1 TURBO Auffangwanne Type 100
1 WEBER Schwelleraufsatz
1 WEBER Airbag Sicherung Metall Schnellspannverschluss
1 LUKAS  Hydraulikaggregat  Type P 620 SE
1 LUKAS  Rettungsspreitzer  Type SB 310
1 LUKAS  Rettungsschneidgerät  Type SB 510
1 LUKAS  Teleskop Rettungszylinder  Type R 430
1 LUKAS Handpumpe
2 LUKAS Hydraulikschläuche mit Single- Kupplung 2 x 10m S
2 LUKAS Schlauchschutzelemente 4m
1 LUKAS Bereitstellungsplane 4 x 2,5m
1 4teiliges LUKAS Schutzdeckenset
2 KfZ Unterlegkeile
1 Gurtmesser mit Notfallhammer
1 Absperrband 500m
1 Rettungsteleskopleiter nach EN 1147 4,5 Meter
1 Spineboard der Fa. Laerdal Type  BaXstrap / 1 Stifneck Select / 1 x Speedblocks / 4 x Haltegurt
2 Wolldecken aus Mischgewebe

Im Geräteraum 3:

1 Rangierwagenheber Tragkraft 1,5to  inkl. Zubehör
1 STIHL Motor-Rettungskettensäge MS 460 R inkl. Zubehör
2 Paar 5-Finger Schnittschutzhandschuhe
1 Garnitur Schnittschutzbeinlinge XL
2 Wathosen
1 Feuerwehraxt mit Glasfaserstiel
1 Halligen Tool (Multifunktions-Brechwerkzeug)
1 TNT Tool (patentierte Mehrzweckgerät) Modell TN840 incl. Kombi Tragesystem
1 Spitzhacke
1 Handfäustel 2kg
1 Bolzenschneider lang
1 Türöffner mit Riegelzieher
1 HILTI Akku Bohrschrauberset inkl. Zubehör
1 Treibstoff u. Öl Reservekanister für die Kettensäge
1 Bogensäge
1 Bosch Einhandwinkelschleifer inkl. Zubehör
1 mehrteiliger Werkzeugkoffer
1 Tragekoffer mit Schrauben
1 Tragekoffer mit Nägel
1 Elektro-Rettungstasche mit 6teiligen Inhalt
1 Bund Bindedraht 2mm
1 Pkw Radkreuz

Im Geräteraum 4(Heck) befinden sich folgende Geräte:

1 tragbare motorbetriebene Feuerlöschpumpe Type ZL 800 Firma Jöhstadt
1 Schnellangriffshaspel mit 30m Formtex Leichtschlauch und C-Anschluss
1 AWG C-Turbo Twister Modulaufstecksystem mit Hohlstrahldüse (40/80/130 l/min)
1 AWG Turbo Twist Piercing Nozzle TT
2 Piassava Besen
1 Alu Schaufel
1 Bodenabzieher
1 Kurbel für manuellen Notbetrieb der Haspel
2 Rockinger Vario Wechselkupplungen (Kugelkopf/Maul- Wechselsystem)

 

 

 

 

 

Im Mannschaftsraum befinden sich folgende Gerätschaften:

3 AUER Atemschutzgeräte 300bar 6l CFK Kompositflaschen mit zusätzlicher Rettungshaube
4 AUER Atemschutz Überdruck Panoramamasken
1 3er Set Fluchthauben in Tragebox
1 Rettungsleine im Tragebeutel laut ÖNORM
3 Feuerwehrgurte mit Verbindungmittel
1 Notrettungsset
1 Polaris Führungsseil 100m
2 Triopan Faltsignale Feuerwehr
1 Verkehrsleitkegel faltbar
2 Feuerwehr Anhaltestäbe
1 Packung Infektionshandschuhe  100 Stk.
2 LED Wolf Handscheinwerfer  R 50K inkl. Ladestation
1 mehrteiliger Sanitäts Notafallrucksack (wird nur von ausgebildeten  anwesenden Feuerwehrsanitäter verwendet)
1 Garnitur Sichtschutzplatten
1 Rucksack Set mit Ausrüstung für die Höhensicherung bestehend aus:
2 Stk. Auffang- Sitz- und Haltegurt zur Arbeitsplatzpositionierung Type NAVAHO BOD FAST
1 Stk. 100m Halbstatisches Seil mit vernähter Endverbindung u. ausgezeichneter Abriebfestigkeit
Type AXIS 11 mm
1 Stk. Absorbica, L57, Falldämpfer
1 Stk. Asap, B71, Mitlaufendes Auffanggerät
1 Stk. Ascension, B17WRA, Handgriffsteigklemme
1 Stk. Asorbica -Y MGO 80, L59MGO, Y-Verbindungsmittel
2 Stk. Protec, C45N, Flexibler Seilschutz
1 Stk. IDS, D200SO, Sicherungs- und Abseilgerät
2 Stk. OK Triact-Lock, M33TL, Karabiner
4 Stk. Abseilachter  Huit D02
3 Stk. Bandschlinge 60cm Anneau C4060
3 Stk. Bandschlinge 120cm Anneau C40120
16 Stk. Karabiner William Screw Look  M36SL
1 Stk. Transportrucksack (wetterfest)
2 Atemschutzmasken mit Filter
1 Set MegaFlare (6 Stk. befahrbare LED Absicherungsleuchten) inkl. Tragebox mit integrieter Ladestation
1 Einsatzleittasche mit mehrteiligem Inhalt
1 Tragebox mit Inhalt für den Atemschutzablaufposten
1 CO Warngerät
1 Garnitur Taktikfolien für die Einsatzführung
1 SPAX Einsatzrucksack TÜRÖFFNUNG mit umfangreichen Spezialwerkzeug (nur für speziell geschultes Einsatzpersonal)
4 analoge Handfunkgeräte inkl. Ladestationen
2 BOS Digital Handfunkgeräte inkl. Ladestation
1 Digital Einsatzkamera inkl. Zubehör und Ladegerät
1 tragbarer Lautsprecher inkl. Funkmikrofon
1 Wärmebildkamera  inkl. Fernübertragungseinheit u. Ladestation
1 Ladestation für die HILTI Akku Geräte
1 Mehrgasmessgerät Microtector II inkl. Ladestation
1 vollautomatischer Defibrillator

 

Techn. Fahrzeug Daten zusammengefasst
Aufbau: Firma SEIWALD (A-5411 Oberalm bei Salzburg)
Kastenaufbau: ALPAS II (Aluminium-Paneel-System)
Gerätekasten mit integrierter Mannschaftskabine
Besatzung: 1+3

Fahrgestell Type: MB 519 CDI  FHS 4×4
Motorleistung 140 kW (190PS)
Getriebe: 6 Gang Schaltgetriebe Eco Gear 360
Gesamtgewicht: 5.300 kg
Radstand: 3.650
Länge: 6,20 m  Breite: 2,10 m  Höhe: 2,75 m

 

Fotocredit: EOBI Stefan Schneider

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